Hausandacht für Christi Himmelfahrt (21.05.2020)

verfaßt von Pastorin Katharina Rosenow (Kirchengemeinde Neustrelitz-Kiefernheide)

Ein 3-jähriges Mädchen erklärte mir in der letzten Woche was an Christi Himmelfahrt „passiert“, nämlich ganz klar, dass da Jesus in den Himmel hochfährt.

Ich schaue zum Himmel hoch und betrachte die Wolken, die heute die unterschiedlichsten Phantasiefiguren erkennen lassen …
Was sehen Sie, wenn sie zum Himmel hoch schauen?
Die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hindurch und zaubert in die Welt um mich herum ein Wechselspiel aus Licht und Schatten.

„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“, werden die Jünger in der Apostelgeschichte gefragt, als sie Jesus nachblicken.
40 Tage lang war Jesus nach der Auferstehung mit seinen Jüngern zusammen, dann „wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“ (Apg 1,11).

Das kleine Mädchen hätte vielleicht geantwortet: „Ich will zugucken, wie Jesus in den Himmel fährt. Wie aufregend, sowas hab‘ ich noch nie gesehen!“

Gott war durch Jesus hautnah bei uns Menschen …
verortbar, sichtbar, fühlbar, begreifbar.
Die Jünger konnten mit eigenen Augen sehen, wie Jesus Wunder tat.
Sie konnten die Wundmahle des Auferstandenen berühren, mit ihm Abendmahl feiern.
Gott ganz nah!

Und nun ist Jesus „weg vor ihren (und unseren) Augen“.
Er ist im Himmelreich Gottes.
Und uns bleibt nichts anderes übrig, als zu vertrauen, auch ohne (an)fassen zu können.

In meinem Taufspruch heißt es: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29).

Gar nicht so einfach für Groß und Klein. Gerade Kinder lernen und entdecken die Welt vor allem durchs Sehen, Anfassen und Ausprobieren.

Ich hole ein kleines Seifenblasenfläschchen und puste ein paar große Blasen himmelwärts. Durchsichtig, nahezu unsichtbar fliegen sie fort. Doch bei Sonnenlicht betrachtet und mit offenen Augen geschaut, werden in ihnen alle Farben des Regenbogens sichtbar und sie glitzern und strahlen und sind wunderschön anzusehen… himmlisch!
Meine kleinen Nichten lieben es den Blasen hinterherzulaufen und sie zu fangen.
Doch Seifenblasen lassen sich nicht anfassen oder festhalten. Sie sind nicht für immer, sondern wie kleine, zarte Augenblicke vom Paradies.

Wir verabschieden uns am Himmelfahrtstag von Jesus, von Gott als Menschen, den man anfassen konnte.
Doch der Himmel, in den Jesus „fährt“, ist nicht einfach der Himmel dort oben, der englische „sky“.
Jesus geht in das Himmelreich Gottes, in „heaven“, der auch in uns ist und überall um uns herum.
„Der Himmel geht über allen auf und auf uns alle über.“ (Kanon)
Gott ist mit seiner Liebe, Herrlichkeit und Kraft ganz nah bei uns; das hat Jesus den Menschen immer wieder zugesagt und gezeigt.
Gottes Himmelreich ist hier und jetzt da …
stückweise, ganz zart und irgendwie durchsichtig und unsichtbar und nicht fassbar, wie die Seifenblasen. Aber aus Lichtperspektive und mit offenen Augen geschaut, können wir den Farbenreichtum des Himmels auch in dieser Welt immer wieder entdecken.

Ich puste noch einige Seifenblasen in die Luft und schaue ihnen nach bis ihr Moment vorbei ist. Einige fliegen so hoch, dass ich sie schon gar nicht mehr erkennen kann …
Dann senke ich meinen Kopf und betrachte die Welt.
Nein, hier ist bei Weitem nicht alles himmlisch! Aber so ein paar Himmelsmomente und -augenblicke gibt es bestimmt zu entdecken und zu bestaunen.

Christi Himmelfahrt … Ob sich Jesus wohl freut, wenn wir ihn zumindest ein kleines Stück in den Himmel begleiten?
Ich muss schmunzeln und mach mich summend auf den Weg: „Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf. Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf.“ (Kanon von Peter Janssens)

[ zur Startseite ]