Hausandacht für Kantate (10.05.2020)

verfaßt von Pastor Christoph Feldkamp (Kirchengemeinden Strelitzer Land)

(hilfreich: Kerze, Kreuz, Gesangbuch)

Beim Anzünden der Kerze: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes Amen.

Lied: Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Gebet:
Guter Gott,
lass uns nicht immer wieder das alte Lied anstimmen:
nicht immer wieder das
ja aber
ach vielleicht
und eigentlich
gewissermaßen,
sondern lobsingen:
Gepriesen bist du Gott.
Mit Herzen, Mund und Händen.
Jeden Tag neu.
Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Psalm 98:
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Lied der Woche: Du meine Seele, singe (EG 302)

Lesung: (Kol 3, 12-17):
So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Kantate – singet!
So heißt dieser Sonntag.
Ich erinnere mich an die jährlichen Camping-Fahrten, die wir in den 80iger Jahren von der Kirchengemeinde aus in die CSSR unternahmen. Zehn Familien wohnten da in Zelten für eine Woche zusammen. Tagsüber wanderten wir, abends saßen wir am Lagerfeuer und sangen und sangen: „Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn“, „Über den Wolken“, oder: „Mein kleiner grüner Kaktus“. Und auch: „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“, und „Komm, sag es allen weiter, Gott selber lädt uns ein“. Mein Vater spielte Gitarre und stimmte die Lieder an.
Lieder sind für mich mit Erinnerungen verbunden, mit den Stimmungen bestimmter Zeiten und mit den Menschen, mit denen ich gesungen habe und mit denen ich heute singe. Ich singe gern bekannte und neue Lieder mit allen im Gottesdienst, mit Konfirmanden im Unterricht und mit Kindern auf Freizeiten. Mit Kindern schraubt sich die Stimmung manchmal ordentlich hoch („Laudato si“ kann man so richtig schmettern! Herrlich!). Im Altersheim ist ein Lied oft Trost für die Singenden („Großer Gott, wir loben dich“ oder „Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin“). Im Gottesdienst sind es oft Lieder, die mich in meinem Glauben emotional verorten.
Ja, Lieder sind manchmal wie Heimat, sozusagen ein vertrauter Aufenthaltsort. Sie stiften Identität. Sie vermitteln: Wir haben vergleichbare, und in der Gemeinschaft auch verbindende Emotionen, Gedanken, Hoffnungen, Stimmungen. Sie besingen das, was uns bewegt. Und sie verändern uns. Unsere Singstimme klingt anders als unsere Sprechstimme. Wir sind beim Singen wie verwandelte Menschen. Wir machen uns die Hoffnungen und die Freude der Lieder zu eigen („Geh aus, mein Herz, und suche Freud“). Manchmal singen wir auch rebellische Lieder, die machen Mut („Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit!“). Manchmal müssen wir traurige Lieder singen, die trösten uns in Wehmut und Traurigkeit („Aus tiefer Not schrei ich zu dir“). Es ist gut, dass es dann auch andere Lieder gibt, die von dem singen, das noch nicht ist. Von dem, was noch aussteht und was wir erhoffen. Eine Zukunftsmusik.
„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Dieses alte Psalmlied aus der Bibel ist so eine Zukunftsmusik. Sie singt von Wundern. Dass Gott Heil mit seiner kräftigen Hand schafft.
Glauben Sie an Wunder? Ich glaube, ohne Wunder kommen wir nicht aus. Ohne den Glauben, dass Gott wirkt. Und ich mich im Vertrauen auf das Wunder ihm hingebe. Du weißt den Weg für mich. Und du überlässt mir deinen Segen, dass ich an deinen Wundern mitwirken kann. Und du schenkst deinen Geist, der uns dazu begabt und uns Gedanken schenkt von Friedenssinn und Solidarität, den Geist, der uns aufmerksam sein lässt und verantwortlich. Der uns Demut, Sanftmut und Geduld verleiht und uns einander den anderen ertragen und vergeben lässt. Das sind nötige tägliche Wunder. Wenn dies geschieht und damit dies geschieht, muss man singen! Man muss von solchen Wundern singen, damit nicht auch der Missbrauch des Liedes erfolgt, dass Menschen mit Liedern auf den Lippen einmarschieren und andere drangsalieren, was uns 75 Jahre nach Kriegsende in der Erinnerung und zur Mahnung bei allen aktuellen Kriegen vor Augen steht. Singen verändert den Menschen, und er verändert sich zum Guten, wenn er von Gottes Wundern singt.
Dass wir heute in den Kirchen wegen der Ansteckungsgefahr nicht gemeinsam singen können, ist besonders schmerzlich. Wenn wir diszipliniert sind, ist dies vielleicht bald wieder möglich. Bis dahin geht es allein zu Hause oder zu zweit im Freien. Schön laut!> Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden,
von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.

Amen.

Fürbitte
Neue und alte Lieder wollen wir dir singen, o Gott,
denn unser Glaube lebt in diesen Liedern,
die wir dir singen, als deine Gemeinde.
Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit,
verschlossen die Münder, stumm die Instrumente,
hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde.
Aber unser Gebet können wir dir sagen,
gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen,
was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.
So bitten wir für all die Menschen, die krank sind
oder im Sterben liegen. Und für die Menschen,
die anderen dienen in Therapie und Pflege.
So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen
um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.
So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen, die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.
Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern, offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen, so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott! Amen.

Vaterunser

Segen:
Gott segne uns und behüte uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Er hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

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