Hausandacht für Jubilate (03.05.2020)

verfaßt von Pastorin Cornelia Seidel (Kirchengemeinden Strelitzer Land)

(hilfreich: Kerze, Kreuz, Gesangbuch)

Beim Anzünden der Kerze:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes Amen.

Lied zu Psalm 66: Jauchzt alle Lande, Gott zu Ehren (EG 279,1-2)

Gebet:
Gott, du Schöpfer aller Dinge, wie du die Natur zu neuem Leben erweckst, so willst du auch uns Menschen erneuern und deine Welt. Belebe uns und wecke uns auf aus aller Verzagtheit, daß wir Mut haben zu glauben und aufstehen zum Leben mit dir. Durch Jesus Christus unseren Bruder und Herrn. Amen.

Lesung aus dem Alten Testament,(1. Buch Mose Kapitel 1):
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (...)
Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.
Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Lied der Woche: Gott gab uns Atem, damit wir leben (EG 432)
Evangelium: (Johannes 15,1-5):
Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Was bleibt? Ich hatte ihn schon aufgegeben, das Jahr würde er nicht überleben.

Ein Weinstock an meinem Pfarrhaus, 20 oder 25 Jahre alt. Bauarbeiten waren angemeldet und so hatte ich ihn im Frühjahr letztes Jahr ganz runtergeschnitten bis auf den Stamm. Falsch, zu spät, sagte mir eine Gärtnerin. Das Ergebnis: Er blutete heftig. Wenn die Sonne schien, lief förmlich der Saft aus den Schnittstellen. Und dann im späten April wuchs er wieder, dennoch. Gott sei Dank, dachte ich. Und dann begannen die Bauarbeiten erst mitten im Sommer, ich war im Urlaub und die Handwerker schnitten ihn wieder runter brutal bis auf den Stumpf. Leiden, bluten, nun ist es wirklich aus? Aber noch im September schlug er wieder aus, ganz wenig und ich schnitt ihn wieder Ende Januar diesen Jahres, wie es sein soll, diesmal blutete er nicht. Aber lange zeigten sich keine Triebe. Jetzt ist es wirklich vorbei mit ihm! Tot! Aber in den letzten zwei Wochen schwollen die Knospen und nun zeigt er das erste Grün. Hurra! Juhu! (Jubilate - jubilieren = seiner Freude lautstark Ausdruck verleihen - sagt ein Wörterbuch) Ich lasse ihn wachsen, schneide behutsam und hoffe sogar auf Trauben in diesem Jahr. So ist es auch mit Christus, er ist nicht totzukriegen. Immer wieder bringt er neues Leben hervor, Grün und Früchte, die aus seinem Leben und seiner Liebe hervorgehen. Keine Trennung, kein Virus, kein Gottesdienstverbot oder andere Beschneidungen können unsere Verbindung zu ihm und untereinander hindern oder zerstören. Das habe ich erfahren in den letzten so sonderbaren Wochen. Er bleibt, der Glaube bleibt und findet auf unterschiedliche Weisen sein Gegenüber und seinen Ausdruck im Gebet, auch in Gesten der Nächstenliebe und Fürsorge. Aber ich freue mich trotzdem sehr auf die Zeit, wenn ich Ihnen, wenn wir wieder gegenüber Auge in Auge stehen können, wenn wir uns wieder in den Arm nehmen können und zusammen singen und… ach, das wird noch viel schöner als die grünen Blätter an meinem Wein. Amen

Lied: Bei dir Jesus will ich bleiben EG 406

Fürbitte
In dir bleiben, Christus. Die Kraft von dir empfangen. Aus deiner Wurzel leben. Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst. Frucht bringen. Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie. Gib sie denen, die erschöpft sind von Corona, die sich aufreiben in der Sorge für andere, deren Mut aufgebraucht ist, die sich fürchten vor dem, was kommt. Du bist die Wurzel, die trägt. Erbarme dich. Du bist der Friede. Du berührst die Herzen. Verwandle die Hartherzigen, die Kriegsherren und die Lügner. Ihr Gift sei wirkungslos, weil du ihre Opfer heilst. Du bist das Glück für die Schwachen. Erbarme dich. Du bist die Liebe. Du machst alles neu. Du bleibst. Bleib bei den Trauernden, Christus und bei den Liebenden, denn ohne dich verlieren sie sich. Du Liebe, sprich zu uns, zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche. Bleib bei uns. Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du bist der Weinstock. Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen. Amen.

Vaterunser

Segen:
Gott segne uns und behüte uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Er hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

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