Hausandacht für Misericordias Domini (26.04.2020)

verfaßt von Pastor Wilhelm Lömpcke (Kirchengemeinden Lärz/Schwarz und Mirow)

Im Namen Gottes –
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch:
Johannes 10
Christus spricht:
„Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen.

Lied 1:
Auf und macht die Herzen weit
Evangelisches Gesangbuch 454
1. Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
2. Gottes Wort erschuf die Welt, hat die Finsternis erhellt.
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
3. Gottes Macht schützt, was er schuf, den Geplagten gilt sein Ruf.
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
4. Gottes Liebe deckt die Schuld, trägt die Sünder in Geduld.
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
5. Gottes Wort ruft Freund und Feind, die sein Geist versöhnt und eint.
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
6. Darum macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.

Evangelium nach Johannes 10
Christus spricht:
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,
denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.
Ich und der Vater sind eins.

Epistel aus 1. Petrusbrief 2 (Basisbibel)
Dazu hat er euch nämlich berufen. Denn auch Christus hat für euch gelitten. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt.
Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort.
Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.
Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.

Angesagt
„Der Hirte“ ist ein Bild, das mehrmals auftaucht. „Der Herr ist mein Hirte“ spricht von Gott, „ich bin der gute Hirte“ sagt Christus von sich selbst.
Ich frage die Konfirmanden, was ein Hirte ist, und bekomme zur Antwort: „Na, der passt auf, dass die Schafe nicht weglaufen.“ Aber Schafe laufen nicht weg, sie bleiben geradezu treudoof bei der Herde, sie gehen höchstens mal verloren. Nein, nein, ein Hirte hat vor allem die Aufgabe, für seine Herde das beste Grün und das frischeste Wasser zu finden, die Schafe vor Wölfen zu schützen, kranke Tiere zu verarzten und verlorene Schafe wieder zu finden. Der Hirte sorgt für das Leben seiner ihm Anvertrauten, für die er verantwortlich ist. So ist Gott für uns, so ist Christus für uns. – Wir basteln an unserem Gottesbild.
Wir basteln an unserem Lebensbild: Wer will ich sein? Wie will ich sein? Ich bin doch kein blödes Schaf, das lammfromm mitläuft oder tut, was irgendjemand von ihm verlangt! Aber ich will auch nicht getrieben sein von dem Schlechten, das in mir steckt. Die Epistel spricht unter anderem von „Vergeltung“ (Vers 23). „Wenn der mir . . . , dann ich ihm auch . . . „ kocht es ja öfters mal in uns. Aber Rache macht nicht satt. Kommen wir da raus? Lieber möchte ich jemand sein, der Drohungen geschickt umgeht und ins Leere laufen lässt. Komme ich da hin?
Nehmt euch ein Beispiel und folgt seinen Fußspuren, sagt der Petrusbrief. Wenn du dich verirrst im dicken Gestrüpp deiner Ohnmachtsgefühle oder gar Rachegedanken und kopflos wirst – halt mal eben an, guck mal, was dein Hirte macht. Nein, nein, du bist nicht so souverän wie Christus, der das gerechte Urteil über seine Mörder Gott überlassen hat. Das verlangt keiner von dir. Im Gegenteil: Es reicht, dass Christus das für uns getan hat. Aber du kannst etwas von ihm lernen: Christus ist das Vorbild, dass es auch anders geht: weder Vergeltung noch Unterwürfigkeit sondern selbstbewusstes Gottvertrauen. Guck’s dir an. Das tut dir gut. Das beruhigt, es löst. Die Welt ist nicht mehr verbrettert, die Sicht öffnet sich. Das macht frei. Du wirst heil. Es fließt Kraft in dein Leben. Du bist zurück im Strom des Lebens, nicht mehr verirrt, wieder in der Herde, in der Gemeinschaft. Im saftigen Grün und am frischen Wasser.
Und dann? Wir reden gerade viel von Herdenimmunität. Die würde uns allen helfen, birgt aber einige Unwägbarkeiten und ist noch längst nicht erreicht. - Es gibt aber auch eine Schwarm- oder Herdenintelligenz. Das ist das, was die Herde im Innersten zusammenhält, das ausgesprochen Unausgesprochene. Der Petrusbrief benennt es trotzdem, weil unter Menschen immer mal wieder daran erinnert werden muss. Das Qualitätsmerkmal der Herde Christi ist „Gerechtigkeit“. Als Orientierung und Wegmarke, in den Fußspuren Christi.

2. Lied:
Es kennt der Herr die Seinen
Evangelisches Gesangbuch 358
Es kennt der Herr die Seinen / und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen / in jedem Volk und Land; er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein, im Leben und im Sterben / sind sie und bleiben sein.
Er kennet seine Scharen am Glauben, der nicht schaut und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut; der aus dem Wort gezeuget / und durch das Wort sich nährt und vor dem Wort sich beuget / und mit dem Wort sich wehrt.
Er kennt sie als die Seinen / an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht, in seiner Wahrheit Glanze / sich sonnet frei und kühn, die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.
Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lauterm Triebe / ihm zu gefallen sucht, die andern so begegnet, wie er das Herz bewegt, die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.
So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen / in jedem Volk und Land am Werk der Gnadentriebe / durch seines Geistes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe / als seiner Gnade Werk.
So hilf uns, Herr, zum Glauben / und halt uns fest dabei; lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, so lass uns als die Deinen / zu deiner Rechten stehn.

Gebet
Jesus Christus, du guter Hirte,

Du kennst die Menschen in Not.
Du siehst die Kranken leiden,
die Trauernden weinen,
die Mutlosen verzweifeln,
die Überforderten aufgeben.

Du bist das Leben.
Du siehst die Schwachen und alle, die ihnen helfen.
Du siehst unseren Glauben und unsere Liebe.
Du siehst unseren guten Willen und unsere Grenzen.
Du siehst deine weltweite Kirche und ihr Zeugnis.
Du bist unsere Hilfe.
Du schenkst uns Liebe.
Du überwindest unsere Grenzen.
Du bewahrst deine Kirche.

Jesus Christus, du guter Hirte.
Dir vertrauen wir uns an.
Amen.

Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich, und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

Liedstrophe
Evangelisches Gesangbuch 99
Christ ist erstanden
von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen;
seit dass er erstanden ist,
so lobn wir den Vater Jesu Christ’.
Kyrieleis.
Halleluja,
Halleluja,
Halleluja!
Des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.

oder

Der Herr segne uns und behüte uns,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns
und sei uns gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden. Amen.


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