Hausandacht für Quasimodogeniti (19.04.2020)

verfaßt von Pröpstin Britta Carstensen, Neustrelitz

Eine*r zündet eine Kerze an

Einstimmung
Ostern war dieses Jahr so merkwürdig still. Wir haben verzichtet: Auf die Osterfeuer, auf den feierlichen Ostergottesdienst, auf das Familientreffen, auf das Eiersuchen bei Oma und Opa.
Und doch: Es wurde Ostern, es ist Ostern! Immer noch. Jesus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Ostern ist Gottes Fingerzeig, dass sich das Leben Bahn bricht, dass der Tod besiegt ist. In aller Ungeduld belebt und tröstet dieser Glaube. Christus ist unsere Hoffnung, wir halten uns an ihn. In diesem Vertrauen ähneln wir „neugeborenen Kindern“.
Als „Quasi-modo-geniti“ sind wir versammelt – und so heißt auch dieser Sonntag. Als Kinder Gottes sind wir miteinander in Gedanken und Gebet verbunden. Zur gleichen Zeit, wo auch immer wir sind. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten

(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Bei dir kommen wir alle zu unserem Recht. Wo immer wir auch gerade sind. Du siehst uns. Du hörst uns. Von überall bringen wir Dir alles, was ist:

- Stille -

Höre auf unser Gebet. Amen

Lied: EG 100:
Wir wollen alle fröhlich sein

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 40, Verse 26-31:
Hebt eure Augen, schaut in den Himmel! Sehr ihr die Sterne? Wer hat die gemacht? Von all diesen Sternen kennt Gott den Namen. Gott ist mächtig und überall: Es sind immer alle Sterne da! Auf jeden einzelnen Stern passt Gott auf. Ihr Kinder von Gott: Warum zweifelt ihr? Warum fragt ihr: Bin ich Gott wichtig? Weiß Gott, mir geht es gut?! oder: Mir geht es schlecht?! Wisst ihr es denn nicht? Gott hat die ganze Erde gemacht. Einfach alles! Und trotzdem ist er noch wach und kräftig! Gott versteht und weiß viel mehr als wir. Müde Menschen bekommen von ihm Kraft. Kraftlose Menschen macht er stark. Wir werden alle müde und kraftlos. Das geht auch jungen Menschen so. Auch sie können stolpern und hinfallen. Wenn du hinfällst, kannst du auf Hilfe von Gott hoffen. Gott hilft dir beim Aufstehen. Dann wird es ganz leicht. Als hättest du Flügel wie ein Adler und könntest fliegen. Danach kannst du laufen ohne Pause. Und gehen ohne Müdigkeit.

Gedanken
Eine Woche nach Ostern ein Auferstehungstext der besonderen Art: Gute Worte für müde gewordene Menschen.
Denn: Nach einer Nacht gut ausgeschlafen aufzuwachen – das ist nicht selbstverständlich. Den Tag willkommen zu heißen, gesund zu sein, voller Tatendrang nach vorne zu schauen, das ist erst recht nicht selbstverständlich. Gerade im Moment ermüdet doch ein wenig die Geduld mit den Einschränkungen, die das Corona-Virus uns auferlegt. Menschen fragen und hadern. Gerade jetzt haben viele unserer Mitmenschen existentielle Sorgen. Gehälter und Einkünfte brechen ihnen weg. Kinder können sich nicht um ihre alten Eltern im Heim kümmern, Sterbende bekommen keinen letzten Besuch. Auch wenn die Sonne scheint – es gibt diese verflixten Zeiten, da ist man schon morgens bedrückt. Dann hängt der Kopf, der Blick wird eng. Von Lebensfreude keine Spur. Das kennen ältere Menschen, aber jüngere auch. Manche Sachen kann man sich in Zeiten wie diesen dann nicht selbst sagen. Ein Anderer muss es machen. Jesaja tut es. Er spricht als Gottes Bevollmächtigter zu Menschen, die müde alle Hoffnung auf Heimat und Zukunft aufgegeben haben. Er weitet hartnäckig den Blick. Er drängt auf einen Perspektivwechsel: Wer jetzt zweifelt, der soll die Augen heben und sich umschauen und Gottes Schöpferkraft und Macht in der Schöpfung erkennen.
Haben Sie den Vollmond vor Ostern bestaunt? Haben Sie den Abendstern in voller Schönheit leuchten sehen? Der Blick in Nachthimmel lässt mich staunen und erschauern. Alles, was mir groß und wichtig erscheint, wird im Angesicht des kühlen Glitzerns der Sterne nichtig und klein. Hinter der geheimnisvollen Ordnung des Universums ahne ich die Gottkraft, die alles erschaffen hat. Diesem Gott des Himmels und der Erden kann man – so glaube ich es - alles zutrauen, alles von ihm erwarten. Sogar, dass er mich kennt, versteht und stärkt, wenn ich es nicht mehr kann.
Der Alltag mag derzeit schwierig bleiben. Die Verkäuferin ist weiterhin in Kurzarbeit, der Betrieb holpert mit Müh und Not gerade so über die nächsten Monate. Die Ehe kriselt. Es bleibt ein Ringen mit den Dingen und mit sich selbst. Da müde zu werden und ins Straucheln zu geraten, ist keine Schande. Die Erfahrung, aus der Bahn geworfen zu werden, macht jeder von uns früher oder später. Und doch: Gerade jetzt das Gesicht zu heben, den Blick zu weiten, immer noch zu staunen, trotzig neuen Bildern und anderen Eindrücken Raum zu geben: Das macht zwar nicht alles auf Knopfdruck gut, aber es tut gut! Ich vermute, viele von Ihnen könnten aus dem Stegreif aus eigener Erfahrung kleine und große Auferstehungsgeschichten ins Leben erzählen. Geschichten von unerwarteten Neuanfängen. Von einer Hoffnung, die sich entgegen aller Unkenrufe bewährt hat. Von Untiefen im Leben, die wider Erwarten überschritten werden konnten. Eine unsichtbare Kraft in uns hat das möglich gemacht. Ich nenne sie Gott. Dieser Gott hilft beim Aufstehen und Weitergehen. Mit diesem Gott kann man über Mauern springen. Dieser Gott beflügelt immer wieder unsere Hoffnung, lässt unseren Seelen Adlerflügel wachsen – das spürt, wer ihm vertraut. Erinnern Sie sich! Erzählen Sie davon! Unbedingt! Die Welt braucht Hoffnungsmenschen und Hoffnungsgeschichten.
Jesus ist von den Toten auferstanden. Das ist die Osterbotschaft, die größte Hoffnungsgeschichte von allen. Es ist diese Verheißung, unter der ich als Christenmensch lebe und hoffe. Nie bin ich mehr auf die Kraft dieser lebendigen Hoffnung angewiesen als in den Zeiten, in denen ich kraftlos und müde werde. „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“ Wir heben unser Gesicht Gott entgegen – und es wachsen uns Flügel der Hoffnung.

Lied EG 317,1-3+5: Lobe den Herren oder EG 511:
Weißt du, wieviel Sternlein stehen

Gebet für alle Menschen
Mitten in der Krise strecken wir dir, lebendiger Gott, unser Gesicht entgegen. Hilf uns, aufzusehen. Tröste uns. Schenke uns aber auch einen wachen Sinn, offene Augen für die, die den Kopf hängen lassen: Für die, die sich große Sorgen machen um ihre Existenz. Für die, deren Lebensträume gerade zerplatzen. Für Kinder, Jugendliche und Familien, für die die Nähe zu eng wird. Für die Müde-Gearbeiteten in den Krankenhäusern überall in Europa. Hilf uns für alle zu tun, was wir können. Hilf Du, wo unsere Kraft nicht ausreicht. Schenke uns Geduld, Hoffnung, Zärtlichkeit. Lass uns bitte nicht die Kraft ausgehen, füreinander zu denken und miteinander zu leben. Dir vertrauen wir uns an. halte Du deine Hand über uns und unserer Welt.

Wir beten gemeinsam:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen (Hände öffnen und laut sprechen):
Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

Eine*r löscht die Kerze

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine behütete Woche

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