Hausandacht für Ostersonntag (12.04.2020)

verfaßt von Pastor Christoph Feldkamp • Kirchengemeinde Strelitzer Land

Im Namen Gottes - des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!
Mit diesem Osterjubel grüßen sich Christinnen und Christen seit alters her.
In der Freude über den Sieg des Lebens rufen auch wir dies einander zu:
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Wochenspruch aus der Offenbarung an Johannes (1,18)
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Eingangsgebet
Das Grab ist leer, das Leben hat gesiegt.
Gott, wir bitten dich, dass diese Botschaft heute in unsere Herzen einziehen kann.
Schenke uns offene Ohren für dein Osterevangelium.
Hilf uns heute, unser Leben im Lichte der Auferstehung deuten zu können.
Das bitten wir dich im Namen des Auferstandenen.
Amen.

Lied EG 99
Christ ist erstanden / von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’.
Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Bibellesung:
Markusevangelium (Kapitel 16)
Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome duftende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen.
Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf.
Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?«
Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war.
Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen Jüngling auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr.
Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.
Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.«
Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.

Gedanken zum Evangelium (Mk 16)
„Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf…“
Da geschah es, schreibt der Evangelist Markus. Die Zeitangabe seines Osterevangeliums weckt österliche Assoziationen bei uns: Ein früher Morgen … Ein Vogel singt bei Tagesanbruch. Die Dunkelheit weicht. Ein heiliger Moment. Man sieht noch nicht viel. Es ist, als ob ein leichter Nebel über der Landschaft liegt. Doch das Licht bahnt sich seinen Weg. Wie durch einen Schleier sehen wir die Welt. Die Konturen bleiben unscharf. Aber wir ahnen, dass es ein schöner Tag wird. Die Sonne geht auf.

Wer so gestimmt die Ostergeschichte des Evangelisten Markus liest, wird nicht finden, was er erwartet. Von Osterfreude ist da nicht viel zu spüren. Drei Frauen sind auf dem Weg zum Grab Jesu. Sie wollen mit der Salbung des Leichnams noch einmal Abschied nehmen von einem Menschen, der sie beeindruckt hat, der begeistern konnte für Gott, der feiern konnte, dabei aber nicht die übersah, denen es schlecht ging. Ein Mensch, der sehr mutig und herausfordernd etwas zu sagen hatte und deshalb von den Mächtigen als Aufrührer umgebracht wurde. Nun beschäftigt die Frauen auch noch die wichtige Frage: „Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?“.

Die Osterfreude scheint sie gar nicht zu erreichen. Sie sind irritiert, dass sie Jesus nicht vorfinden. Stattdessen ist da ein Jüngling, der sagt: „Ihr sucht Jesus aus Nazareth? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Dann gibt er ihnen noch den Hinweis, dass man Jesus auf dem Weg nach Galiläa finden wird. Doch am Ende steht keine Begeisterung. Keine Osterfreude. Kein Osterlachen über die Ohnmacht des Todes. Ohnmächtig scheinen vielmehr die Frauen selbst: „Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.“ Die Botschaft von der Auferstehung irritiert. Weil sie so anders als alles Bisherige ist. Weil sie Wunder verspricht.

Wir haben keine Wunder mehr. Kein Jüngling steht heute hier in glänzenden Gewändern – gegen die Kritiker, gegen den Unglauben. Wir haben nur noch die Erzählungen von den Wundern. Wir sind auf ihre hilflosen und gewaltlosen Worte angewiesen: „Er lebt, wir haben ihn gesehen, wir haben ihn berührt, wir haben mit ihm gegessen.“ Es sind verwirrt scheinende Männer und Frauen, die das bezeugen. Ja, es sind Zeichen der Wahrheit des neuen Lebens versprochen: In seinem Namen werden diese Zeugen böse Geister austreiben, in Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, Gift trinken, das ihnen nicht schadet, Kranke gesund machen. Schwer. Schwer sind diese Zeichen zu sehen in einer Welt, in der gestorben wird, in der böse Geister toben und in der viele nicht verschont werden. Und wo sind gerade in der heutigen Verunsicherung diese Zeichen der Auferstehung? Wer versteht die Zweifelnden nicht, die sagen: „Was für ein Geschwätz.“

Aber vielleicht begrüßt ihn das Herz, das ihn braucht. Ich will nicht leben ohne das Versprechen dieses neuen Anfangs. Unser Leben ist verbunden mit dem Leben Jesu. Ja, wir bleiben nicht verschont von den Schlangen, dem Gift und den bösen Geistern und von Krankheit, wie Jesus selbst. Aber es ist schon ein Machtwort gesprochen gegen den Tod in dem aufgedeckten Antlitz Gottes, in Christus. Und es ist schön, es ist keck, es ist menschenwürdig, dem Leben mehr zu glauben als seiner Vergänglichkeit! Christus lebt, und wir mit ihm! Weiß Gott, was wir da sagen! Gott weiß es, und das genügt.

All das ist den Frauen, die vom Grab geflohen sind, erst mit der Zeit aufgegangen. Es ist ihnen aufgegangen durch diese Worte, „dort werdet ihr ihn sehen, in Galiläa.“ In Galiläa, d.h.: Ihr werdet ihn sehen, dort, wo ihr lebt. Dort, wo ihr die alte Sicht der Welt, dass sich nichts ändert und alles bleibt, wie es ist, hinter euch lasst. Dort, wo ihr alles, was kommt, bewältigen werdet. Dort, wo ihr den Alltag stets neu in einem anderen Licht sehen könnt. Dort werdet ihr Jesus sehen. Das Leben nach Ostern ist ein anderes geworden. Denn „ganz früh am Sonntagmorgen, als die Sonne gerade aufging…“, da geschah es. Da ist Jesus auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!
Amen.

Lied EG 117:
Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen kommt ins Helle!
Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden /
So glaubten wir umsonst. /
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden!
Was euch auch niederwirft, / Schuld, Krankheit, Flut und Beben –
Er, den ihr lieben dürft, / trug euer Kreuz ins Leben. /
Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, /
so kämpften wir umsonst. /
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden!
Muss ich von hier nach dort - / er hat den Weg erlitten. /
Der Fluss reißt mich nicht fort, / seit Jesus ihn durchschritten. /
Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, /
So hofften wir umsonst. /
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden!

Fürbittengebet
Christus, führe uns alle an diesem Ostermorgen ins Freie,
so wie du es am Ostertag in Jerusalem getan hast,
aus dem verschlossenen Grab
und durch geschlossene Türen hindurch ins Licht des neuen Tags.
Sieh die Not deiner Menschen weltweit in dieser Zeit,
die das neue Leben gemeinsam feiern möchten an diesem Tag
und es nicht sich nicht versammeln können - in nahezu allen Ländern.
Lass für uns alle jetzt Ostern in unserem Alltag werden,
so wie wir es gerade an vielen Menschen und ihren Hoffnungstaten sehen können, ermutigt, Neues zu wagen
und den alten Gewohnheiten zu trotzen.
Lass uns wie die Frauen am Grab
in aller Trauer und in allem Schrecken am Ende gestärkt und ermutigt
wieder zum Leben finden.
Wie ein neuer Morgen
komm du selbst zu uns,
in unsere jetzt durch die Krankheit gezeichnete Welt,
hoffentlich bald aber wieder voller Kraft,
deine Botschaft weitertragen,
wie die Frauen am Ostermorgen.

Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich, und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

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