Hausandacht für Karfreitag (10.04.2020)

verfaßt von Pastorin Cornelia Seidel • Kirchengemeinde Strelitzer Land

Beginn

Kerze anzünden.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

Lied: Herr, stärke mich dein Leiden zu bedenken (EG 91)

Die Improperien - Befragungen Gottes
In diesen Tagen und immer wenn Menschen Leid widerfährt, möchten wir Gott gerne fragen:
Warum? Warum ich, warum so, warum hier, warum mir?
Eine alte Karfreitagstradition wendet diese Frage um.
Gott , der Gekreuzigte fragt uns als sein Volk:

Mein Volk, was habe ich dir getan, womit habe ich dich beschwert. Mein Volk, gib mir Antwort!
Ich habe dich aus allen Völkern gesammelt, aber du hast getrennt, die in meinem Namen verbunden sind.
Ich habe dir Worte des ewigen Leben gesagt, aber du hast Vergängliches zu deinem Gott gemacht.
Ich bin zu dir geko0mmen als das Licht der Welt, aber du hast meine Botschaft verdunkelt.
Ich bin dir zum Brot des Lebens geworden, du aber bist an den Hungrigen vorübergegangen.
Ich bin bei dir geblieben als der gute Hirte, du aber hast die Schwachen in Gefahr verlassen.
Ich habe dich gesandt zum Heil der Völker, du aber hast das erwählte Volk geschlagen.
Ich habe dir den Geist der Liebe gegeben, du aber hast dich nach der Macht ausgestreckt.
Ich habe mich für die ans Kreuz schlagen lassen, aber du hast dich mit Gewalt durchgesetzt.
Mein Volk, was habe ich dir getan, womit habe ich dich beschwert. Mein Volk, gib Antwort!

Stille

Gebet:
Heiliger Gott, heiliger starker Gott. Lass uns nicht verzagen. Wir bekennen unser Versagen und bitten um dein Erbarmen. Du hast uns das Kreuz deines Sohnes aufgerichtet als ein Wort der Versöhnung, damit wir Frieden haben, mit dir und untereinander. Wir bitten, erbarme dich unser! Amen

Friedensgruß
Wenn Sie mit anderen in der Familie zusammen feiern, geben Sie sich die Hand/ nehmen Sie sich in den Arm und sprechen: Friede sei mit dir!

Lesung:
Markusevangelium (Kapitel 15)
Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.
Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.
Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.
Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er nahm's nicht.
Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.
Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
Und es stand über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.
Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.
Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!
Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.
Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia.
Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!
Aber Jesus schrie laut und verschied.

( Kerze löschen – kurze Stille)

Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Lied: In einer fernen Zeit (Ergänzungsband E4)

Zum Nach-denken

QUAR(antäne)FREITAG

Vor ein paar Tagen noch im Jubel.
Viele auf belebten Straßen,
die es kurz darauf vergaßen,
wer da kam, warum sie kamen
und sie diese Zweige nahmen.
Karnevals-und Partytrubel.

Jetzt allein und zähes Warten,
auf dass doch mal einer käme
und mir das Alleinsein nähme
oder mir was Schönes bringt
ein Lied mit mir zusammen singt.
Mein Blick geht in den Garten.

Dort ist es hell und grün und bunt.
Ich weiß, ich seh’s, es ist ganz echt,
und wirklich lebendig, nur ist’s schlecht,
dass ich noch nicht ins Leben kann.
Drei Tage noch, sagt der weiße Mann,
dann tu ich dir die Botschaft kund.

Und draußen vor dem Tor
stirbt einer am Holz bis um drei.
Sein Schrei reißt den Himmel entzwei.
Das Grab tut sich auf und empfängt seinen Gast.
Drei Tage, sie sind eine schwere Last.
Das Morgenrot wagt sich hervor.

Fürbitte

Ich bitte für*…
(Die Namen sind erfunden, die Geschicke hinter den Namen nicht.)

Für Hildegard, die seit drei Wochen die Besuche ihrer Tochter vermisst. Sie ist die einzige, die sie noch erkennt.
Für Paul, der Homeschooling prima findet, endlich kann er mal in Ruhe lernen und zocken.
Für Annemarie, deren Geschäft auch vor der Krise schon nicht besonders lief und jetzt!?
Für Klaus, der jeden Tag 8 Stunden Corona-Tests bearbeitet.
Für Maria, die Betreuerin im Frauenhaus.
Für Anne, die heute aus der letzten Nachtschicht kam.
Für Tante Hanni, die unermüdlich Atemschutzmasken näht. Sie hat schon 37 geschafft.
Für Karl-Heinz, der es trotz Beatmungsmaschine nicht schaffen wird. Scheiß Zigaretten!
Für das Lächeln von Renate an der Kasse bei Netto. Bitte weiter, Danke.
Für Peter, der nun schon 6 Tote auf seiner Station hatte.
Für Erik, der ganz allein bei schönstem Wetter im Restaurant seines Hotels sitzt - Blick aufs Meer.
Für Ruth im Bereitschaftsdienst des Jugendamtes.
Für Sarai im Flüchtlingscamp auf Lesbos, minderjährig, unbegleitet.
Für …
Für …
Für …

Und für mich selbst auch!

Vaterunser ...

Anstelle einer Abendmahlsfeier

Sehnsucht:
Und bald wieder alle an einem Tisch:
Die Kranken und die Verschonten,
die Ängstlichen und die Unbeschwerten,
die Alten und die Jungen,
die ewig Meckernden und die Genügsamen,
die Besserwisser und die Fragenden,
die Einheimischen und die Fremden,
die Frommen und die Zweifler,
die Stammgäste und die Nur- mal so-Gucken-Leute.

Und nun wissen oder ahnen sie alle an diesem Tisch:
Das Geheimnis des Glaubens.
Und nun singen sie:
Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

Und nun ist er da für allesamt und all –zu-Mahl.
Und taucht den Bissen ein mit dir und mir zugleich.
Und wäscht dir die Füße und mir den Kopf.
Und teilt sich aus und mit- in Brot und Wein.
Das schmeckt nach grünem Leben und duftet nach Himmelblau.

Und … bald wieder alle an einem Tisch!

Lied: Er ist das Brot, er ist der Wein (EG 228)

Segen

Es segne und behüte uns Gott, barmherzig und zu allem mächtig, der Vater, der Sohn und der heilige Geist! Amen

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