Hausandacht für Gründonnerstag (09.04.2020)

verfaßt von Pastorin Katharina Rosenow • Kirchengemeinden Neustrelitz-Kiefernheide/Kratzeburg

Am Gründonnerstag, da erinnern wir Christen uns an die Passamahlfeier von Jesus mit seinen Jüngern, an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Freunden. Jesus reicht Brot und Wein mit Worten, die mir bekannt und vertraut sind … einladend, besonders, geheimnisvoll, …

Die Einsetzungsworte des Abendmahls:

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: „Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: „Nehmet hin und trinket alle daraus. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinkt, zu meinem Gedächtnis.“
(1 Korinther 11,23-25)

Abendmahlslied EG 229:1 (zweimal singen)
Kommt mit Gaben und Lobgesang, jubelt laut und sagt fröhlich Dank: Er bricht Brot und reicht uns den Wein fühlbar will er uns nahe sein.

Ref.: Erde, atme auf, Wort, nimm deinen Lauf! Er, der lebt, gebot: Teilt das Brot!

Gründonnerstagsgedanken
„‘Grün‘ kommt von ‚greinen‘ und heißt ‚traurig sein‘ und ‚weinen‘…“
Hätte! Ich wäre heute Vormittag zusammen mit dem Kindergarten „Kienäppel“ zur Agapemahl-Feier in der Kirche gewesen, wir hätten uns grün angezogen, hätten Grünes gegessen und getrunken ….

Im Bewusstsein, dass „Grün“ an diesem Donnerstag nichts mit der Farbe zu tun hat, doch für die Kleinen lässt sich der Tag auf diese Weise gut erleben und bleibt im Gedächtnis. Wir hätten ein Lied gesungen, hätten gemeinsam entdeckt, gebetet, gefeiert und Brot und Trauben geteilt. Für mich waren das oft stärkende Gänsehautmomente, wo Gott mitten unter uns spürbar geworden und mir ganz nahe war.

Abendmahl …
Ich lege ab, was mich beschwert und belastet. Gott hört und sieht und spürt … und trägt mit und nimmt ab. Manchmal habe ich Tränen in den Augen. Mir wird leichter. Befreiung!
Wie es dir neben mir wohl geht? Ich spüre die Hand meines Nachbarn in der meinen. Ein kurzer verbindender Händedruck. Gemeinschaft, zusammen, trotz aller Unterschiede und Differenzen … Weggefährten … als Glaubende, Hoffende, Sehnende, …
Und jetzt? Ohne das grüne Frühstück mit dem Kindergarten, ohne das besondere Feiermahl im Borwinheim, ohne das gemeinsame Abendmahl in der Kirche?
Coronakrise, Versammlungsverbot, Kontakteinschränkungen und Bußgeldkatalog, … im Kampf gegen den unsichtbaren Feind, der irgendwie noch immer kaum zu fassen ist.

Am Passafest erinnert das jüdische Volk an Befreiung aus Unfreiheit und Sklaverei. Die Eltern erzählen ihren Kindern von Mose, von dem Auszug aus Ägypten, der langen, kräftezerrenden Wüstenwanderung, den Wundertaten Gottes.
Sie erzählen davon, dass Gott immer bei ihnen war und ist und sein wird … als Feuersäule, Wolkenwand, … heute vielleicht als Brief in der Einsamkeit, Osterstein am Wegesrand, Licht im Nachbarfenster, Glockengeläut zur Mittagsstunde (oder speziell heute um 19:30 Uhr), … Gott ist da und uns nahe, auf ganz verschiedene Art und Weise!

Die Botschaft gilt, gerade auch heute für jeden von uns an seinem Ort. Wie befreiend! Gott ist da … bei uns, bei euch, bei mir, bei dir …
Brot des Lebens für dich gegeben!

Und so lese ich Jesu Einsetzungsworte …
heute bei uns am Küchentisch.
Ich zünde eine Kerze an.
Wir beten das Vaterunser und singen ein Lied. Und dann essen wir Abendbrot.

Ja, Gott ist da! Er ist auch hier bei uns zu Hause. Gott sei Dank!

„…Doch Gott ist da und tröstet uns und schenkt uns neue Kraft in Brot und Traubensaft.“

Segen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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