Andacht für Palmsonntag (05.04.2020)

verfaßt von Pastor Wilhelm Lömpcke • Kirchengemeinde Lärz/Schwarz.

Im Namen Gottes –
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch für die Karwoche (die Woche mit dem Karfreitag):
Johannes 3,14b-15
Des Menschensohn muss erhöht werden,
auf dass alle, die an ihn glauben,
das ewige Leben haben.

1. Lied
Evangelisches Gesangbuch 11

1. Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen / in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht.

4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren / und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben / zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen / und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

Epistel aus Philipper 2,5-11
Denkt im Umgang miteinander immer daran, welchen Maßstab Christus Jesus gesetzt hat:
Von göttlicher Gestalt war er. Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute.
Sondern er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.
Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz.
Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht: Er hat ihm den Namen verliehen, der allen Namen überlegen ist.
Denn vor dem Namen von Jesus soll sich jedes Knie beugen – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.
Und jede Zunge soll bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Das geschieht, um die Herrlichkeit Gottes, des Vaters, noch größer zu machen.

Evangelium nach Johannes 12
Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.
Da nahmen sie Palmenzweige und liefen ihm entgegen. Sie riefen: »Hosanna! Stimmt ein in unser Loblied auf den, der im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels!«
Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – genau so, wie es in der Heiligen Schrift steht:
»Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Sieh doch: Dein König kommt! Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.«
Die Jünger von Jesus verstanden das zunächst nicht. Aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, erinnerten sie sich daran. Da wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog. Denn genau so hatten ihn die Leute empfangen.
Die vielen Leute, die dabei gewesen waren, bezeugten: »Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn vom Tod auferweckt!«
Deshalb kam ihm ja auch die Volksmenge entgegen. Sie alle hatten gehört, dass er dieses Zeichen vollbracht hatte.
Aber die Pharisäer sagten zueinander: »Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Seht doch! Alle Welt läuft ihm nach!«

Bibeltext zum „Angesagt“ aus Markus 14,1-9
Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus heimlich zu verhaften und dann umzubringen.
Aber sie sagten sich: »Auf gar keinen Fall während des Festes, damit es keine Unruhe im Volk gibt.«
Jesus war in Betanien. Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines kostbares Nardenöl. Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.
Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander: »Wozu verschwendet sie das Salböl?
Das Salböl war mehr als dreihundert Silberstücke wert. Man hätte es verkaufen können und das Geld den Armen geben.« Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.
Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch! Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan.
Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
Die Frau hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
Amen, das sage ich euch: Überall in der Welt, wo die Gute Nachricht weitergesagt wird, wird auch erzählt werden, was sie getan hat. So wird man sich immer an sie erinnern.«

Angesagt:
Die Frau ist berühmt, man erinnert sich bis heute an sie. Wie heißt sie man noch? - Den Namen weiß keiner. Aber was sie getan hat, ist über Jahrtausende lebendig geblieben.
Wir dürfen uns ja nicht besuchen. Weder ich Sie noch Sie mich (obwohl, am Gartentor zwei Personen mit mindestens zwei Meter Abstand, ohne Händeschütteln und ohne Anhusten und nur für fünf Minuten?). Und im Gottesdienst treffen wir uns auch nicht. Dabei haben wir es noch gut, wir haben Auslauf. Aber die in der Stadt, im Neubau, im Hochhaus? Mit Kindern, die nicht ausgelastet sind, weil sie nicht zur Schule oder in die Kita können? Die haben es richtig schwer! Familienratgeber haben gerade Hochkonjunktur, das Fernsehprogramm versucht abzulenken.
Auch eine Geschichte von einem Besuch, der nicht erlaubt war: Jesus besucht Simon den Aussätzigen. Darf er nicht, denn Simon ist unrein. Mit so einem hat man keinen Umgang, ist verboten, da steckt man sich ja an. Macht Jesus aber trotzdem. Er macht sich mit dem Unreinen gemein, mit der Welt, mit uns. Gott findet sich bei dem Aussätzigen ein. Das bringt Jesu Gegner gegen ihn auf. Denn die haben die Reinheitsgesetze auf ihrer Seite. – Das ist wirklich keine Geschichte in Zeiten mit Corona – oder gerade doch! Denn wir achten vor allem darauf, dass wir niemand anderen anstecken.
Der Konflikt um Jesus ist nicht neu. Jesus sagt: „Gott vergibt dir.“ Seine Gegner beharren darauf: „Nur Gott kann vergeben - und wir sagen, wann es soweit ist.“ Jesus heilt einen Menschen und fast alle freuen sich – und die anderen sind wütend, weil Jesus es just am arbeitsfreien Tag macht. Jesus gibt nicht klein bei: „Eure Gesetze sind Menschengesetze und nicht von Gott, ihr verdreht Gottes Absicht!“ Er hat’s auch provoziert. Jesus geht dem Konflikt nicht aus dem Weg.
Jesus ist in Jerusalem angekommen, im Zentrum der Macht. Viele Menschen hatten ihn freudig empfangen, mit Palmen gewedelt (Palmsonntag). Und dann dieser Besuch. Die Frau, deren Namen wir nicht kennen, gießt das überaus teure Öl über ihm aus: Jesus wird zum „Christus“, auf Deutsch „Gesalbter“, auf Hebräisch „Messias“. Er selbst ahnt wohl den Ausgang seines Jerusalem-besuchs. Zwei Tage hat er noch. Auch zum Begräbnis wird das Öl gebraucht.
Nun werden auch Risse in seiner Gefolgschaft sichtbar. „Verschwendung!“ rufen einige. Und: „Denkt doch mal an die Armen!“ Helfende Nächstenliebe fordern sie. Die Frau überschüttet Jesus mit Öl, sie überschütten sie mit Vorwürfen. Das sind Welten!
Aber: Alles hat seine Zeit. Jetzt ist dies dran: Die Konzentration auf den letzten Gang durch Jerusalem, vom Abendmahl (Gründonnerstag) über Gethsemane nach Golgatha (Karfreitag). Aktivität ist hilfreich, Aktionismus aber verpufft, Konzentration sieht das Wesentliche. Die Frau weiß, was sie tut. Sie blickt durch. Sie sieht weiter. Es ist Liebe. Und davon sprechen wir heute noch!

2. Lied
Evangelisches Gesangbuch 97
1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens / und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen / und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
3. Denn die Erde klagt uns / an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
5. Denn die Erde jagt uns / auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
6. Hart auf deiner Schulter / lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Gebet
Gott, du unser Vater im Himmel, wir danken dir für unser Leben. Für all die schönen Dinge, die wir erleben. So wie die Sonne im Frühling und das frische Grün. Wir klagen dir, was uns das Leben schwer macht: unsere Schmerzen, unsere Einsamkeit, unsere Hilflosigkeit, unsere Traurigkeit. Wir sagen dir auch, wo wir gefehlt haben. Höre uns Gott, und wandle das alles für uns zum Segen.
Wir bringen die Menschen vor dich, die deine Güte brauchen, die sie vielleicht nötiger haben als wir selbst: Die Menschen, die es immer noch in Lagern an der Grenze aushalten müssen; die unter Krieg leiden wie in Syrien. Wir beten für die Menschen in Italien und Spanien, für die, die Angst haben um ihr eigenes Leben oder um das Leben anderer. Wir denken vor dir an die Menschen, die jetzt anderen helfen, wie PflegerInnen und ÄrztInnen, die Verantwortung tragen in dieser Zeit voller Entscheidungen und Überlastung. Wir bitten dich für unsere Gemeinde und die Menschen in unseren Dörfern und Städten. Für unsere Familien und Freunde, für die Menschen, mit denen wir zusammen leben: Mit denen wir gerne zusammen sind, und die, die uns zugemutet werden, auch für die, für die wir eine Zumutung sind.

Stille

Gemeinsam beten wir, wie es uns Jesus Christus gelehrt hat:

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Liedstrophe
Evangelisches Gesangbuch 37
4. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

Segen

Tief in Euch – Gottes Geduld. Euch zugewandt – sein Erbarmen. Mitten unter Euch – seine Nähe. Gott umhülle Euch mit seinem Segen - Ihr werdet ein Segen sein. Heute und morgen und an jedem Tag. Amen.

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