Andacht für Sonntag Judika (29.03.2020)

verfaßt von Pastorin Friederike Pohle • Kirchengemeinde Wanzka.

„Gottesdienst am Küchentisch“
Das Sonntagsblatt für den Sonntag „Judika – Schaffe mir Recht!“

Wo zwei oder drei versammelt sind, da ist Jesus Christus mitten unter ihnen. Gott sei Dank. Das heißt: Auch, wenn derzeit keine regulären Gottesdienste stattfinden, wird überall auf der Welt weiter gebetet, gesungen, hört Gott zu und ist nah. Wir möchten Ihnen mit diesem Sonntagsblatt eine Form zur Verfügung stellen, mit der Sie selbst ganz unkompliziert von zuhause aus mitfeiern können.

Was man braucht: mindestens eine Person. Eine Kerze. Dieses Blatt. Und hier noch ein Tipp: es fällt leichter, wenn man sich einen festen Zeitpunkt für die kleine Sonntagsfeier sucht. Z.B. am Frühstückstisch Sonntagmorgen um 10 Uhr oder zu einer anderen Zeit. Das Gebet verbindet uns alle. Wir bleiben ein Teil der Gemeinschaft – das, was uns verbindet, ist größer als das, was wir sehen. Es hilft auch, wenn vorher kurz geklärt wird, wer was vorliest. Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Gottesdienst, wo auch immer Sie ihn feiern.

Zu Beginn: Kerze anzünden

Eine*r: Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt bin, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten. Aber im Beisein des Einen. Denn unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Lasst uns beten.

Alle: Gott, wir sind da. Und Du auch. Wir sind verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Wir sind hier mit allem, was uns bewegt. Lass uns zur Ruhe kommen.

(Stille)
Eine*r: Gott, so vieles geht in uns vor, so vieles ist ungewohnt, ungewiss und macht uns Sorgen. Öffne unsere Ohren und Herzen durch deine Nähe und dein Wort. Amen.

Psalm 43 alle gemeinsam oder eine*r mit allen anderen im Wechsel:

Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Liedvorschlag: Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht! Christus, meine Zuversicht, auf Dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf Dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Bibeltext für den Sonntag Judika aus dem Hebräerbrief, 13. Kapitel
Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Impuls
Christinnen und Christen glauben: unsere Zeit liegt in Gottes Händen, selbst und erst recht unsere Zukunft. Im Predigttext für diese Woche heißt es darum auch: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir.“ In meinen Ohren klingt das tröstlich. Wenn ich mir unsere Welt gerade so anschaue, fühle ich Erschütterung und, ja, auch Hilflosigkeit: So viele Tote in Italien durch Covid19! Ich sehe die verzweifelten Bürgermeister, die die Menschen anflehen, zu Hause zu bleiben. Um des Überlebens Willen. Bei uns: leere Innenstädte und kleine Unternehmer, die um ihre und die Existenz ihrer Mitarbeiter bangen. Soziale Kontakte wurden eingestellt und das, wo wir doch die Nähe Anderer zum Leben brauchen, den Austausch suchen, um nicht einsam zu sein. Sehr viel wird von jedem Einzelnen, von uns gerade abverlangt, damit wir dem Virus Einhalt gebieten können, damit Krankenhäuser nicht kollabieren und Menschen am Leben bleiben. Doch, wie schlimm wird es kommen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir bei alldem auch weiter nach der zukünftigen „Stadt“ Gottes suchen dürfen und sollen! Das hat für mich etwas tröstendes. Denn ich spüre: Ja, diese Hoffnung, dass es da eine „zukünftige Stadt“ gibt, dass es eine Zukunft mit Gott gibt, ist für mich eine Kraftquelle. Wenn ich nur auf das schaue, was gerade auf dieser Erde geschieht, möchte ich am liebsten die Augen verschließen. Aber, und das ist ein großes ‚Aber’ – unsere Zukunft liegt in Gottes Hand! Darauf zu vertrauen gibt Kraft, genau hinzuschauen, sich einzusetzen, nicht aufzugeben, gerade in diesen schwierigen Zeiten. Was können wir tun? Zunächst: Zuhause bleiben, um ältere Mitmenschen zu schützen. Und dann: gerade den älteren Nachbarn fragen, ob man nicht für ihn, für sie mit einkaufen soll. In vielen Gemeinden wird derzeit ja dazu aufgerufen. Vielleicht nur zwei Stiegen Milch kaufen, statt der geplanten drei – für die Anderen stehen lassen. Weiter: Soziale Kontakte bewußt pflegen: den Hörer in die Hand nehmen und jemanden anrufen. Die Zeit mit den Kindern genießen und vielleicht einige alte Spiele heraus holen. Später dann, nach der Krise, bewußt in den Geschäften vor Ort einkaufen und so die Unternehmen hier bei uns unterstützen, damit sie nicht Opfer der Krise nach der Krise werden. Und natürlich: Der Kassiererin im Supermarkt oder der Krankenschwester, dem Arzt oder der Ärztin für ihren Dienst danken: Dass sie gerade für uns da sind! An einer anderen Stelle in der Bibel heißt es: „Suchet der Stadt Bestes!“ (Jeremia 29,7). Darum geht es! Nicht wegschauen, nicht (auf einem Berg Toilettenpapier sitzend) die Welt ihren Weg ins Verderben gehen lassen, sondern immer wieder nach Wegen suchen, die zum Frieden, zur Gerechtigkeit, zur Bewahrung der Schöpfung führen! Auf die ‚zukünftige Stadt’ zu schauen, heißt auch, die irdische Stadt – das Miteinander, den Nächsten und unser aller Gemeinwohl – nicht aus dem Blick zu verlieren. Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unser Sorgen und unser Verzicht, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

Fürbitten (reihum eine*r):
Jetzt, mein Gott, täten Engel gut. An unserer Seite und um uns herum. Denn wir brauchen Mut. Und Phantasie. Und Zuversicht. Darum: Sende deine Engel. Zu den Kranken vor allem.
Stille
Und zu den Besorgten.
Stille
Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden: Ärztinnen und Pfleger, Rettungskräfte und Arzthelferinnen, alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.
Stille
Sende deine Engel zu den Verantwortlichen in Gesundheitsämtern und Einrichtungen, in Politik und Wirtschaft.
Stille
Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut. Du hast sie schon geschickt. Sie sind ja da, um uns herum. Hilf uns zu sehen, was trägt. Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet, mit dir, mein Gott. Denn das ist‘s, was hilft und tröstet. Jetzt und in Ewigkeit.

Alle:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Alle öffnen die Hände. Eine*r oder alle gemeinsam sagen:
Gott, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns deinen Frieden. Amen.

Liedvorschlag (EG 171,1)
Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott, Sei mit uns im allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Zum Ende: Kerze auspusten.

Nehmen Sie sich noch etwas Zeit nach dem Gottesdienst. Atmen Sie bewusst ein und aus. Vielleicht ist jetzt gerade eine gute Gelegenheit, weiter über das zu sprechen, was Sie bewegt. Dazu tut es vielleicht gut, das Fenster zu öffnen und frische Luft herein zu lassen.

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