Andacht für Sonntag Lätare (22.03.2020)

verfaßt von Pastor Wilhelm Lömpke • Kirchengemeinde Schwarz/Lärz

Im Namen Gottes –
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch für die Woche nach dem Sonntag Lätare:
Christus sagt:
„Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt
und erstirbt,
bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt,
bringt es viel Frucht.“
Johannes 12,24

1. Lied
(Evangelisches Gesangbuch 322)

1. Nun danket all und bringet Ehr,
ihr Menschen in der Welt,
dem, dessen Lob der Engel Hee
r im Himmel stets vermeld’t.

2. Ermuntert euch und singt mit Schall
Gott, unserm höchsten Gut,
der seine Wunder überall
und große Dinge tut.

3. der uns von Mutterleibe an
frisch und gesund erhält
und, wo kein Mensch nicht helfen kann,
sich selbst zum Helfer stellt.

4. Er gebe uns ein fröhlich Herz,
erfrische Geist und Sinn
und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
ins Meeres Tiefe hin.

6. Er lasse seinen Frieden ruhn
auf unserm Volk und Land;
er gebe Glück zu unserm Tun
und Heil zu allem Stand.

7. Er lasse seine Lieb und Güt
um, bei und mit uns gehn,
was aber ängstet und bemüht,
gar ferne von uns stehn.

8. Solange dieses Leben währt,
sei er stets unser Heil,
und wenn wir scheiden von der Erd,
verbleib er unser Teil.

Epistel: 2. Korintherbrief 1,3-7
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er ist der Vater, der uns Barmherzigkeit schenkt, und der Gott, bei dem wir Ermutigung finden.

Er ermutigt uns in all unserer Not. Und so können auch wir anderen Menschen in ihrer Not Mut machen. Wir selbst haben ja ebenso durch Gott Ermutigung erfahren.

Denn das Leid, das Christus erlebt hat, wird zwar auch uns in reichem Maß zuteil. Aber genauso erfahren wir in reichem Maß auch die Ermutigung, die er schenkt.

Mehr noch: Wenn wir in Not geraten, so geschieht das, damit ihr ermutigt und gerettet werdet. Und wenn wir ermutigt werden, so geschieht auch das, damit ihr neuen Mut schöpft. Mit dessen Hilfe könnt ihr geduldig dieselben Leiden ertragen, die auch wir ertragen müssen.

Was euch betrifft, sind wir sehr zuversichtlich. Denn wir wissen, dass ihr genauso an der Ermutigung Anteil habt wie an dem Leiden.

Evangelium: Johannes 12,20-24
Es befanden sich auch einige Griehen unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten.

Die gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir wollen Jesus sehen!«

Philippus ging zu Andreas und erzählte ihm von ihrem Anliegen. Dann gingen die beiden zu Jesus und berichteten es ihm.

Jesus antwortete ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in Gottes Herrlichkeit aufgenommen!

Amen, amen, das sage ich euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.

Predigttext aus Jesaja 66,10-14
Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.

Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.

Gedanken:
Lätare ist der Sonntag mit dem Namen „Freut euch!“ (Jesaja 66,10). Hört sich seltsam an in der Zeit von Corona, in der Zeit der Verunsicherung und der Angst, in der Zeit der Einschränkung und der Hamsterkäufe. „Es ist Ernst, nehmen Sie es auch ernst!“ sagte die Bundeskanzlerin. Sie hat Recht. Und sie ist dabei selbst von einer ernsthaften Gelassenheit, dass wir nur von ihr lernen können.
Aber „Freut euch!“ hat sie nicht gesagt, das sagt uns die Bibel. Die Ausgangslage vor dem „Freut euch!“ bei Jesaja war noch katastrophaler als Corona jetzt ist und wohl auch noch schlimmer, als Corona werden kann: Alles war am Boden zerstört. Nicht wie seit dem 2. Weltkrieg, sondern wie in dem 2. Weltkrieg.
Da kriegt das „Freut euch!“ einen anderen Klang: Freut euch auf das, was kommt. Es wird wieder so – nein! – es wird besser und schöner werden, als Ihr es euch jetzt vorstellen könnt. Bilder von Mutterbrust und säugenden Kindern – was will man mehr?! Frieden und Reichtum wird sein – und Trost, ja Trost. Zum Verschenken viel wird es sein.
Es wird dauern in dieser Krise. Das ist klar. Die Touristiker stehen vor einer bettenleeren Saison, die Wirtschaft zeigt enorme Einbrüche, Kurzarbeit ist noch das kleinere Übel gegen Arbeitslosigkeit. Wir könnten uns anstecken lassen von Entmutigung, düsteren Aussichten und Einschränkungen unserer Freiheit. Aber wem würde das helfen?!
Da ist das Wort der Freude doch deutlich positiver. Wir brauchen ein starkes Gegengewicht zur Depression und hier hören wir es: „Freut euch!“ Wenn die Realität wenig Anlass gibt zur Freude, dann wird das, woran wir glauben, umso wichtiger. Corona ist keine Gottesstrafe, sondern der Anlass zu mehr Mitmenschlichkeit. Wir erleben, wie unser Leben auf das Naheliegende reduziert wird. Wer braucht meine Hilfe? Für wen kann ich einkaufen? Wen kann ich anrufen, damit er/sie nicht so einsam ist? Wir werden hilfsbereiter.
Die Reduzierung auf das Naheliegende bietet ja auch Chancen: Man kann und muss gar nicht mehr weit wegfahren. Man muss und kann nicht mehr dauernd auf der Piste sein. Wir gehen wieder spazieren (hoffentlich geht das noch lange). Wir sitzen wieder zu Hause und reden miteinander (na hoffentlich). Manche lesen sogar ein Buch. Entschleunigung jetzt! – wovon man sonst immer nur redet.
Balkonsingen und Kirchturmblasen – es gibt so viele kreative Ideen, um in der Gefahr fröhlich zu bleiben. Körperlich auf mehr Abstand – und enger miteinander verbunden. Wir werden erfindungsreich.
Wir werden gestärkt aus diesem gesellschaftlichen Stresstest hervorgehen. „Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.“ Das steht am Schluss bei Jesaja. Und auch bei uns.

2. Lied
Evangelisches Gesangbuch 98

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt - Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn - hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

Gebet
Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Wir denken an alle, die wir lieben. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Liedstrophe zur Passionszeit
Evangelisches Gesangbuch 97
6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Der Herr segne dich und behüte dich, der lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

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